live: deerhunter / high places

die sonne scheint wieder an einem 30 grad celsius-tag und überall fahren hupende autos mit türkischen fähnchen im kreis. die vorfreude auf das e.m.-spiel türkei vs. portugal ist groß in kreuzberg. vielleicht auch gründe, warum die anfangszeit des konzerts von deerhunter, wie sie bei last.fm, myspace, zitty und sonst wo angegeben ist, gar nicht erstrebenswert ist und um stunden nach hinten korrigiert wurde.
dennoch stehen schon vor 20h einige menschen pünktlich vor der tür der skalitzer str. 133, einem absolut unscheinbaren, praktisch weitgehend leerstehenden ehemaligen ärzte-laufhaus am kottbusser tor. aus den geöffneten fenstern des vierten stocks fliegen bereits die hypnotisch anziehenden sounds des soundchecks herbei. aber auch eine gesammelte aktion mehrerer wartender gegen halb neun ist vergeblich, es wird keine preview gewährt.

glücklicherweise treffe ich drei amerikanische gaststudentInnen, wir finden bald die oranienstraße. praktisch jede bar und jede imbissstube verfügt über einen fernseher und eine “live-übertragung” des fußballspiels. wir finden dennoch einen ort, an dem wir so gut wie nix vom spielverlauf mitbekommen, der später aber u.a. der tatsache zu entnehmen ist, daß die autos nicht mehr hupen.

die drei sind kamerascheu aber insgesamt erstaunlich liebenswert, kommen aus kalifornien, pennsylvania und new york.
in den usa ist “deerhunter” einigen ein begriff, hier kennt sie eher keine sau.
in den usa spielen deerhunter ab august im vorprogramm der nine inch nails-tour, wie deren kürzliche konzerte in münchen und österreich wohl so liefen, will ich lieber gar nicht wissen.

aber berlin ist nicht münchen und so ist das “west germany” vor mitternacht doch recht gut gefüllt.

die durchaus passende vorgruppe “high places” ist eines der süßesten duos, die es gibt. offenbar auch mit erstaunlichem output.
das aktuelle album “03/07-09/07” ist dem titel nach auch nur eine zeitlich begrenzte werkschau.
da auf der platte die tracks selten länger als 2-3 min. dauern, ist live genug platz für andere, die ich noch nie gehört habe. insgesamt steht die eindeutig vorhandene tanzbarkeit live wesentlich mehr im mittelpunkt als auf dem album. hier sind ein paar ausschnitte:


und dann: deerhunter.

ich liebe diese band, weil sie alles hat, was ich brauche.
ihrem debütalbum und bradford cox’ vorliebe für die “liars” nach zu urteilen, liegen ihre referenzen teilweise im (post-)punk oder wie man diesen ambitionierten noise nennen mag.
das zweite album “cryptograms” hatte dann einen stärkeren hang zu – durchaus weiterhin noisigen – epen und das in naher zukunft erscheinende dritte album “microcastle” schließlich widmet sich noch mehr der schönheit, allerdings zulasten der anfänglichen rotz-attitüde.
abgezeichnet hatte sich das bereits bei bradford cox’ sideproject “atlas sound“, das zwar weiterhin in psychedelischen klangwelten treibt, aber weitgehend ohne lärm-attacken auskommt.


alle platten haben gemeinsam, daß sie äußerst viel repetition benutzen, diese shoegaze-trance wirkt bei mir und auch im “west germany” konnte viel unprolliges kopfgenicke beobachtet werden. das ganze spielt sich auf einer anderen ebene ab als bei einer beliebigen indieband, denn text und songaufbau besitzen das unnahbar psychedelische element, das bereits nüchtern voll zum tragen kommt. identifikation oder mindestens berauschung an der musik findet also auf der ebene des teilweise magischen statt. hier rührt also nicht die … hmm … bodenständige verbalakrobatik eines thees ullmann etwa. ohne den anspruch eines wundervollen songs zu verlieren, findet hier die reise überirdisch statt.

außerdem handelt es sich bei den bandmitgliedern nicht um schöngeistige vertreter des deutschen liedguts, sondern um authentische slacker oder nerds.
neu in der band ist die gitarristin whitney, bei den videoaufnahmen teilweise hinter den boxen versteckt. toll aber ihre oft daraus hervor wehenden haare, fliegend durch den ventilator, der rechts auf der bühne aufgestellt war.

hier ist sie in aktion nebst bassist josh:

und hier direkt nach dem konzert:

die videos:


eröffnungssong “wash off” (aus “fluorescent grey“) und “spring hall convert” (aus “cryptograms“)


“nothing ever happened” aus dem noch nicht veröffentlichten album “microcastle”


der titeltrack aus der ep “fluorescent grey” und “saved by old times” von “microcastle”. auf die bühne stürmt king khan von “king khan & the shrines“.

trotz anfänglicher kleinerer probleme mit dem sound, die den sänger offensichtlich nervten, fand ich das konzert fantastisch. das sagte ich auch mindestens einem der bandmitglieder, die davor und danach durch die gegend liefen. der bassist antwortete aber selbstkritisch: “you should go out more”.


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