rollkofferhass und wohnraumprostitution

eine zusammenfassung der veranstaltung “Berlin und Airbnb was sagen die Zahlen?” am 26.05.16 in der “regenbogenfabrik” in berlin-kreuzberg.

andrej holm hielt mich offenbar für von airbnb ins publikum drapiert.
denn kurz nach meiner wortmeldung behauptete er man habe in barcelona (wo es, ähnlich paris und san francisco, heute eine liberale airbnb-reglementierung gibt mit der alle gut leben können) sympathische damen mit prekärer rente bewusst ins publikum gesetzt um die positiven aspekte eines zuverdienstes durch untervermietung zu betonen.

ich verlas jedenfalls für die argumentation gegen rollkofferhass wundervoll dienlich klingende statistiken die das unternehmen jüngst selbst herausgab:


airbnb-werbefoto

drei viertel der berliner unterkünfte würden für weniger als insgesamt 90 tage im jahr vermietet. der durchschnittliche umsatz pro gastgeber belaufe sich auf gerade mal 1800 euro im jahr. und dieser werde zur begleichung laufender rechnungen verwendet.
schließlich läge das einkommen von 56 prozent der gastgeber unterhalb des berliner mittleren haushaltseinkommens, und das ist ja bereits mies genug.

auf dem podium waren sich alle drei ebenfalls einig dass die airbnb-untervermietung häufig eine kompensationsstrategie sei.
das rigorose “zweckentfremdungsgesetz” müsse geändert werden, weil es sonst paradoxerweise sogar zu einem weiteren instrument der vertreibung werden könne.
eben für jene denen die quasi-wohnraumprostitution helfe, “sich das leben in berlin leisten zu können”, wie selbst airbnb empathisch formuliert.

die mit dem gesetz verbundene praxis fördere außerdem ein denunziantentum, das “gegenteil einer solidarischen stadtpolitik”, so die moderatorin nina scholz.

der ausführliche zahlensalat untermauerte drastische berliner verhältnisse: so stehen beispielsweise 150.000 [ist das eine reale zahl? 320.000 ist die mir bekannte zahl] “bedarfsgemeinschaften” 10.000 freien wohnungen (quelle ebenfalls unklar, ich hab nur mitgeschrieben) in ganz berlin gegenüber die den kriterien einer “angemessenheit” des jobcenters überhaupt entsprächen. umzug ist nicht, “viele sind zu arm um verdrängt zu werden”.

bei immoscout24 überwiegen seit bereits längerem die kaufangebote gegenüber den mietangeboten, überhaupt sei die umwandlung zu eigentumswohnungen das größte problem für den wohnungsmarkt, “denn touristen gehen wieder, die anderen bleiben”, so holm.
der abstand zwischen traumhaften bestandsmieten und den monatlichen preisen bei neuvermietungen ist rasant gestiegen.
die behauptung das wäre eine normalisierung der umstände sei falsch denn berlin ließe sich kaum mit anderen großstädten vergleichen. immerhin sei berlin die einzige hauptstadt weltweit in der das GDP geringer ist als im rest des landes.

was airbnb angeht:

die firma hat selber aufgeräumt:
die von den ehemaligen studenten der fh potsdam (“airbnb vs berlin“) als “kommerziell” eingestuften angebote seien bereits vor inkrafttreten des gesetzes durch abmahnungen von airbnb zwischen februar und märz von 2400 auf 991 reduziert worden.
(gemeint sind angebote die offensichtlich keine temporäre überlassung privaten wohnraums darstellen)

in den letzten vier wochen (vor/nach inkrafttreten des gesetzes) sei die anzahl “kommerzieller anbieter” (jene die mehr als eine wohnung anbieten) eher bescheiden geschrumpft: von 372 auf 303.
(nur 5,67% der “gastgeber” fielen demnach allerdings lediglich in jene kategorie)

die gesamtanzahl der angebote in berlin fiel von kurz vor bis kurz nach inkrafttreten des gesetzes von 12167 auf 10998.
oder so ähnlich. war ein bisschen viel an zahleninformation (sorry, keine gewähr).

das publikum jedenfalls wollte leider einiges falsch verstehen.
so wurde holm empathie mit kapitalisten unterstellt als er erklärte dass sich ein häuserkauf finanziell nicht lohne wenn man lediglich die bestandsmieter übernimmt.
dabei wollte er nur die mechanischen logiken darstellen.
auch unterstellte ein mann mit langen weissen haaren, der seinen monolog damit einleitete er sei ja bereits 60, es handele sich hier wohl um eine “airbnb-werbeveranstaltung”.

“Denn viele von uns begegnen immer häufiger Tourist_innen mit Rollkoffern in der Straße, sehen Gruppen von jungen Leuten, mehr oder weniger betrunken, von Kneipe zu Kneipe ziehen.”
indymedia

jemand anderes pries den kürzlichen einbruch in eine wohnung am maybachufer. es habe sich um eine “luxuswohnung mit luxusmöbeln” gehandelt.
die wohnung sei eine von vielen die die eigentümerin auf einschlägigen portalen eingestellt habe. “und 2 in rom und so” bekräftigte die linke aktivistin.
jene eigentümerin, eine aus italien stammende eu-bürgerin, die in neukölln mit anderen ein kleines programmkino betreibt, wurde parallel zum einbruch auf indymedia mit telefonnummer, anschrift und email-adresse an den pranger gestellt.

holm verurteilte die praxis der “besetzung” leider nicht generell. er meinte nur: “man kann sich die richtigen aussuchen”.

weiterführende links:

neues gesetz: wie berliner im sommer ihre wohnungen bei airbnb vermieten (bento)
häuserkampf (tagesspiegel)
airbnb vs. berlin
airbnb
“9flats flüchtet nach singapur”
“das radikale verbot ist die schlechteste lösung” (tagesspiegel)


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