deutschland vs. israel – die show

ich hatte bereits zweimal (1, 2) von der ard-sendung „hart aber fair“ berichtet.
und gestern lief nun eine zum thema gaza, israel und deutsche befindlichkeit. nein schlimmer: der titel der sendung lautete: „blutige trümmer in gaza –
wie weit geht unsere solidarität mit israel?
„.
natürlich muß ich auch dazu was schreiben, obwohl es mir schwerfiel, mich durch all die kotze zu wühlen, bzw. diese einigermaßen zusammengerafft zu ordnen:

dabei ist es schwer zu sagen, um was es in der sendung eigentlich ging.
ging es um deutschen antisemitismus? gegen ende der sendung versuchte man das, ja.
ging es um den nahostkonflikt? gegen anfang der sendung versuchte man das, ja.

daß sich beides miteinander vermischt und überschneidet, ist eine allgemein bekannte erkenntnis.
in den 75 min. sendezeit sichtbar waren diese vermischungen, auch als angebliche kausal-kette, damit als quasi-rechtfertigung des antisemitismus prominent vertreten. allen voran udo steinbach, der ehemalige master of „orient institut“ und auch christdemokrat norbert blüm, der sich selbst aufgrund seines glaubens an jesus als imun gegen antisemitismus einschätzt.
für den anlaß der deutschen massenunterhaltung eindeutig zu hoch, ließ es sich talkgast friedman allerdings nicht nehmen, mehrfach auf den film hinzuweisen, der sich offensichtlich im hirn des blüm abspult, sobald er von israel spricht. die geistige gleichsetzung israel-juden als ein und dasselbe, gefolgt von einer direkten ansprache gegenüber friedman als quasi beides, wurde so zwar zur fast-primetime sichtbar und offenbart den antisemitischen charakter des deutschen mainstream-antizionismus. aber durch die berechtigten, mehrfachen interventionen versuchter, später reeducation, die friedman probierte (von blüm abgetan als „billige tricks“ und „pseudo-psychologie„), bestätigte er, ebenfalls als beobachteter akteur der scharade, seine durch die ard-redaktion zugedachte rolle, auf die ich später nochmal zurückkomme, weil auch die ard darauf in bislang einzigartiger deutlichkeit zurückkam.

hier aber erstmal der blüm, dem zu israels politik unter anderem einfiel, es würden durch israelische hand per se „menschen verachtet„, „kinder gequält“ und „leute umgebracht„. ferner bestünde „rassentrennung„.
er startet hier mit einem subjektiven erfahrungsbericht vor ort, wo ein jüdischer „schnösel„, ein israelischer soldat, bösartig mit einer waffe rumgefuchtelt habe und er durch diese schilderung ein paradebeispiel für die schlechte behandlung „eines volkes“ zu erkennen glaubt:

den bogen vom nahostkonflikt nach deutschland hinzukriegen, das war in der sendung schwer erreichbar, zumal u.a. steinbach zu argumentieren versuchte, israel sei quasi selbst an allem schuld, z.b. auch an dem radikalen beispiel von duisburg, wo die polizei zugunsten eines antiisraelischen mobs in wohnungen eindrang, um israel-fahnen vom balkon zu entfernen. steinbach fragt sich „woher kommt denn das?“ und all das würde „kein problem mehr sein„, wenn nur das „eigentliche problem“ gelöst sei.

selbstverständlich ist es steinbach ernst mit seiner mission. er mahnt auch die deutschen „verletzungen“ an und hat ja bereits selbst negative erfahrungen mit der angeblichen „antisemitismuskeule“ gemacht, zum beispiel als er 2003 palästinensische selbstmordattentäter mit jüdischen kämpfern in den „warschauer ghettos“ verglich und dafür berechtigte kritik einstecken mußte.

zitat aus dem folgenden clip: wir („die deutschen„?!) verbinden „die gaza-problematik mit der frage des ansehens der juden in deutschland„.
ergo: etwaige ausschreitungen gegen juden sind gerechtfertigte folge israelischer politik. man kann das nämlich „nicht trennen„. „alter“ antisemitismus ist ja ein „alter hut“ usw.
„die deutschen“ hätten versucht, sich „in die internationale ordnung einzufädeln„. ausgerechnet israel sieht steinbach dabei aber als hinderungsgrund für die einfädelei an:

steinbach ist sozusagen resistent auch gegen eindeutige beispiele von standalone-antisemitismus. am beliebigen beispiel von fussballnazis offenbart sich das. nach der formel „selbst schuld“ unterstellt steinbach indirekt fußballprolls einen politischen protest gegen den gaza-einmarsch.

auch nicht ohne ist aber auch der ehemalige zdf-moderator kienzle (heute 72 jahre alt). er plädiert dafür, der israelischen armee „idf“ die formelle bezeichnung „terroristen“ zu verpassen. er sieht jedenfalls keinen unterschied zwischen hamas und israelischer armee. er negiert damit das in der tat uncoole und hässliche recht eines staates, sich selbstzuverteidigen.
schon diese logik habe ich für eine verquere zerroptik der realität gehalten, er übertrifft sich später aber selbst, in dem er die reel passierte geschichte kastriert und die staatsgründung israels auf eine „vertreibung der palästinenser“ („anfang der sünde„) reduziert. wie er, als ehemaliger nahost-korrespondent der ard, so billig und realitätsfern argumentieren kann, ist mir schwer begreiflich.
er bezeichnet friedman als „israelischen propagandisten„, fühlt sich nach widerspruch ebenfalls von der vielzitierten „antisemitismuskeule“ getroffen und relativiert seine eigene agitation („leider ist es komplizierter„) im verlauf nur marginal und auch nur ergänzend verbunden mit der behauptung, daß die „israelis keinen frieden mehr“ wollen würden.
erst der ehemalige dt. botschafter in israel, dressler (spd, spielt aber heute keine rolle mehr in der iran-solidarischen steinmeier/mützenich-partei), stellt die reelen historischen geschehnisse dar.
hier ist übrigens noch ein link versus geschichtsklitterung.

ich finde es bemerkenswert, daß dressler wenigstens in einem nebensatz erwähnt, daß die palästinenser „in diesen jahrzehnten nichts bezogen auf ihren eigenen staat gemacht“ haben. das hat die „demokratisch gewählte“ hamas auch in gaza nicht gemacht. warum auch? das ehemalige ziel der plo und das heutige der hamas ist eindeutig die vernichtung israels und die errichtung eines „großpalästinas„, das es nie gegeben hat und das es hoffentlich nie geben wird, im sinne einer „umma„, eines „großarabischen“ reiches. selbstverständlich ohne juden, definitiv ohne israel.
die entscheidende frage ist doch: was bewegt menschen, diesen umstand vergessen zu wollen oder öffentlich zu leugnen? was bringt etablierte menschen des öffentlichen bewußtseins dazu, der „hamas“ diese öffentlich festgelegten antisemitischen grundsätze, abzusprechen, sie schönzureden?

selbstverständlich hat die ard-sendung den dafür mutmaßlich am empfänglichsten, steinbach, nicht danach gefragt, was er von einer solchen vision eines islamistischen großreichs hält.
aber die show hat noch so einiges mehr nicht gefragt.
ein einspieler behandelte den als geschichtsvergessen zu bezeichnenden dummbatzen-slogan von tchibo/esso, mit dem der einst nach deutscher logik die judenvernichtung bestätigende buchenwald-claim („jedem das seine„) zu werbezwecken für tankstellen-kaffee variiert wurde. kein wort aber zum so called „israelischen holocaust„, den sowohl die angebliche „friedensbewegung, in diesem fall real bestehend aus palästinensischen gemeinden, islamistischen gruppen, sowie der „linkspartei„, als auch die npd gerne für sich beanspruchen.
pfarrer“ fliege ließ man schwitzen wegen einem paradoxen eisenrohr, steinbach ließ man während der show jedoch verschont wegen seiner israel/ns-vergleiche.

stattdessen befragte man gegen ende der show michel friedman zu seiner rolle im spiel der deutschen wahrnehmung. gegen ende werden somit die antisemitischen klischees anhand friedmans in person in stellung gebracht.

die komplette show ist natürlich online verfügbar.

honestly concerned“ hat sich über die show ebenfalls aufgeregt..

siehe auch „lizas welt“ und „jungle world„.


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  • überfälliger verwaltungsakt

  • 22 Jan 2009, 9:13
    by Lesenswert « tous et rien


    comment:

    […] kotzboy: deutschland vs. israel – die show […]

    comment:

    […] Alles “israelische Propagandisten hier”! Und komm’ mir ja nicht mit der “Antisemitismuskeule”! […]

    22 Jan 2009, 17:41
    by Lucky Strike


    comment:

    „Jedem das Seine“ ist die Losung des Buchenwald-KZs. Über dem Tor von Auschwitz stand „Arbeit macht frei“.
    Kienzle oder Steinbach hat auch fälschlicherweise von Auschwitz geredet.

    24 Jan 2009, 4:17
    by Aufgeschnappt « Raumzeit


    comment:

    […] der ganzen Hoffnungslosigkeit – Antisemitismus ist kein exklusives Vorrecht der Linken und Rechten – gibt es einige Lichtpunkte, […]

    26 Jan 2009, 18:49
    by gulasch


    comment:

    eine parade ohne gleichen!!!! der einzige, der da intelligent argumetierte, war michel friedman. alle anderen waren einfach nur peinlich.
    aber so sind sie eben die deitschen…erst groß rumlabern, dann als getroffener hund bellen und am ende um die eigenen opfer heulen(aufbau einer „geRechten gesellschaft“ nach 1945)!!!!

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