israelsoli III

Sonntag, 20. 06. 2010
13 Uhr, Bornheim Mitte/Am Uhrtürmchen (Frankfurt am Main)

(Haltestelle der Linie U4 – vom HBF zu erreichen: Bornheim Mitte)

Antisemitismus ist keine Abenteuer-Kreuzfahrt

Antisemiten drängt es zur konformistischen Revolte. Der Versuch, die Blockade des Küstenstreifens vor Gaza zu hintertreiben, der am 31. Mai von der israelischen Armee beendet wurde, war als symbolischer Sieg konzipiert, als „ein gestatteter, vielmehr ein gebotener Exzess, ein feierlicher Durchbruch eines Verbotes.“ (Freud) Was Rechte, Linke und Moslems in sechs Schiffen, von denen jedes einzelne als Miniaturausgabe des internationalen antisemitischen Gruselbündnisses betrachtet werden kann, ins Mittelmeer trieb, war die Lust am Ausnahmezustand, den man durch die feierliche Verletzung der israelischen Schutzzone herbeizuführen trachtete, um sich als Opfer zu inszenieren und die Weltöffentlichkeit gegen Israel aufzuwiegeln. Nichts anderes war das Ziel der Flotte nach Gaza und hierfür war man zu allem bereit.

Der Wahn, der zur antizionistischen Aktion drängt, ist nicht ohne Kalkül. Diejenigen, die den Schiffskonvoi gegen Israel zu verantworten haben, wussten, dass die israelische Armee den Einfall nicht würde dulden können und haben die Eskalation gesucht. Daraus, dass die humanitäre Hilfe für die Menschen in Gaza lediglich als Vorwand diente, machen die Beteiligten folglich keinen Hehl. Kurz nachdem einige ihrer Parteigenossen mit noch halb nassen Trekkingsandalen die opfergemäße Variante des Frontberichts in die Welt zürnten, brachte die friedenspolitische Sprecherin der Partei die Linke, Christine Buchholz, die Absicht der antizionistischen Aktion auf den Punkt: „Natürlich wußten alle Beteiligten, daß es eine riskante Aktion ist. Die »Free Gaza«-Bewegung hat versucht, den politischen Preis hochzutreiben.“

Für die Antizionisten und Antizionistinnen stand der Erfolg der Aktion von Anfang an fest: würden sie Gaza erreichen, hätten sie einen Präzedenzfall geschaffen; würden sie gestoppt, würde Israel von allen Seiten dafür verurteilt werden, gegen friedliche Demonstranten militärisch vorzugehen. „Hitler hat Konzentrationslager in Europa errichtet. Jetzt errichtet der Zionismus Konzentrationslager in Palästina. Daher wende ich mich an Israel: bedenkt, wie ihr diese Krise richtig löst. Wenn ihr unsere Kampagne zu stoppen versucht, werdet ihr von der ganzen Welt isoliert. Ihr werdet euch nur selbst Schaden zufügen. Das sind humanitäre Hilfsschiffe. Wir haben nicht ein einziges Klappmesser an Bord”, erläuterte der Chef der IHH, Bülent Yildirim, im Hafen von Istanbul die Taktik. Auch der Hamasführer Ismail Hanyieh wusste um die vorteilhafte Situation: „Wenn die Schiffe Gaza erreichen, ist das ein Sieg – und wenn sie von den Zionisten terrorisiert werden, ist das ebenfalls ein Sieg.“

Während der Islamismus die Strategie bestimmt, kommt den linken Knechten die Aufgabe zu, handfeste Kriegsabsichten in den Jargon der Demokratie zu kleiden, dessen schöner Schein genauso durchsichtig ist wie der Schleier humanitärer Hilfe, mit dem die Aufgebrachten ihren Akt antizivilisatorischen Ungehorsams notdürftig bedeckten. Der Lohn im interkulturellen Austausch: ein Platz an Bord einer Abenteuerkreuzfahrt, separierte Decks für Frauen inklusive. Wie es in diesen Linken tickt, konnte man in einem Beitrag der Sendung „Report Mainz“ vom 07.06.2010 bestaunen. Drei besonders finstere Gestalten der Linkspartei, von denen zwei im Deutschen Bundestag vertreten sind, demonstrierten darin den absonderlichen ästhetischen und seelischen Zustand antiisraelischer Linker. Was den Islam und die Linke außer der Tatsache, dass ihre Darbietungen ausnahmslos hässliche Erscheinungen sind, miteinander verbindet, ist die kollektivnarzisstische Disposition dieser beiden Opfergemeinschaften. Das Gekränktsein der Linken ist evident: es gibt kein einziges Projekt, das sie nicht politisch und moralisch in den Sand gesetzt haben. Ihre Einfühlung in die reine Opferideologie, den Islam, wird durch den eigenen Bankrott begünstigt und manifestiert sich in einer Praxis, die zeigt, dass Lustgewinn, kurz: Abenteuerfeeling nur mehr als Destruktivität möglich ist, als Antietatismus der dummen Kerls, der sich insbesondere am Staat der Juden ausagiert.

Kern der konformistischen Revolte ist das Selbstopfer im autoritären Kollektiv. Mitglieder einer der autoritärsten Gesellschaft der Welt, der Türkei, eignen sich ganz offensichtlich in besonderer Weise für den globalen Kampf gegen Israel. Die türkischen Schiffsgenossen mussten nicht, sie wollten sterben. Von mindestens drei der neun Opfer der israelischen Militäraktion vor der Küste Gazas ist bekannt, dass sie ihr Testament verfassten, bevor sie mit der Marvi Marmara in See stachen. Über Ali Ekber Yaratilmis, einen türkischen Spendensammler für die IHH, der bei dem Einsatz der israelischen Marine ums Leben kam, wusste ein Freund zu berichten: „Er widmete sein Leben der Wohltätigkeitsarbeit. Das ist der Grund, warum er nach Gaza ging. Er wollte schon immer ein Märtyrer werden.”

Was die Lage bedrohlich werden lässt, ist, dass in den europäischen Zeitungen der eine so schreibt, wie der andere, dass immer wieder klar ist, wer schuld hat und die Berichterstattung zum „Nahen Osten“ ein ums andere mal nichts anderes ist, als die Anstiftung zum nächsten Flotten-Pogrom. Im Spiegel-Jargon heißt das dann: „Selten war die internationale Empörung über Israel so groß.“ Ein Blick in die Tageszeitungen nach der israelischen Erstürmung des Schiffes verrät das ganze Ausmaß der ideologisierten Geistlosigkeit und Lügenhaftigkeit der so genannten Welt-Öffentlichkeit. Erschreckend ist die Unbildung im Umgang mit der Berichterstattung. Kaum jemand hat sich daran gestört, dass nicht einmal die Fakten auf den Tisch gekommen sind. Während man von einem Koch zu Recht erwarten kann, dass er sich die Hände wäscht, wenn er von der Toilette zum Herd schreitet, gibt es schlichtweg keinen wirksamen Maßstab, der zur Beurteilung der journalistischen Schmierereien dieser Tage herangezogen werden könnte. Die Faktenresistenz und Realitätsverleugnung, mit der in deutschen Medien gegen Israel Stellung bezogen wird, ist nur ein anderer Ausdruck des antizionistischen Konsenses, in dessen Mitte sich todesmutige Gotteskrieger und linke friedensbewegte Ideologen die Hand reichen.

Inzwischen macht sich im Übrigen eine weitere “Hilfsorganisation” auf den Weg nach Gaza: der iranische rote Halbmond will zwei mit Hilfsgütern beladene Schiffe, eskortiert von den paramilitärischen Pasdaran, Richtung Gaza entsenden. Derweil trifft sich Tayyip Erdogan mit Mahmud Ahmadinejad, um über „das Verhältnis der islamischen Staaten zu Israel“ zu sprechen und Möglichkeiten zu erörtern, aktiv gegen die Gaza-Blockade vorzugehen. Die Reihen der Feinde Israels schließen sich.
Sie zumindest allesamt als das kenntlich zu machen, was sie sind: Kriegstreiber und potentielle Mörder, die sich hinter dem Ruf nach Frieden verschanzen; zu diesem Zwecke findet am 20.06.2010 eine Demonstration für Israel statt, die vor allem eine Demonstration gegen das antisemitische Bündnis, das von der Linkspartei bis zur Hamas reicht, sein soll.

(via gruppe morgenthau)


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