dissi in israel (4)

day three

den anfang des dritten tags hab ich verpasst. ich habe leider nicht das oberhaupt der “schwarzen hebräer” kennenlernen können, einer gruppe von afroamerikanern, die 1969 nach israel eingewandert sind und sich als nachkommen des stammes juda verstehen.

dafür war ich eine stunde zu früh in nevatim, einer kolonie von einwanderern aus indien, die ihre, mindestens, was die ästhetik betrifft, eigenständige auslegung von identität als jüdische minderheit in indien nach israel rüberretteten, als sie geschlossen übersiedelten.

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die leiterin des kulturzentrums der “kutzim” führte uns durch ein kleines museum…

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… und die synagoge der gemeinde.

bereits seit gestern bewegten wir uns auf raketenland, dem radius, den raketen aus dem gaza-streifen erreichen. näher an die abschussrampen werden wir aber nicht mehr kommen als bei unserem besuch im kibbuz “kfar aza”:

es liegt in direkter nachbarschaft zu sderot, einer der städte israels, die seit jahren unter anhaltendem beschuss leiden.

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das kibbuz verfügt über mehrere bunker, der kindergarten wurde nachträglich mit beton gepanzert.

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vor der führung durch das kibbuz konnten wir uns mit dem “landrat” der region “sha’ar hanegev”, alon shuster, unterhalten:

die politische einstellung in der dortigen bevölkerung schätzte er als mittig links ein. auch die entscheidung der sharon-regierung, den gazastreifen zu räumen, wurde damals von der mehrheit unterstützt. letztlich brachte diese entscheidung die region jedoch in eine situation, wie sie wohl in keinem anderen demokratischen land der welt das alltagsleben ziert.

neben der massenhaften errichtung von luftschutzbunkern setzt die region hoffnung auf die millitärische abwehr der raketen. 150 millionen euro wurden angelegt für betonanlagen, die gleiche summe ist mittlerweile mindestens in die entwicklung einer raketenabwehr geflossen.
gleichzeitig vergrößert sich die reichweite der raketen. was vor ein paar jahren noch 7 km waren, sind heute bereits 40 km.
im kibbuz selbst ist im vergangenem jahr ein bewohner durch eine mörsergranate ums leben gekommen.

shuster kann nicht sehen, daß es eine massenhafte abwanderung von einwohnern der region gegeben hätte, er räumt aber auch ein, daß es zum teil auch eine finanzielle frage sei, wer wo wohnt. fast alle haben wohl eine alternative (verwandte, freunde), die im zweifelsfall als notunterkunft offen steht. die meisten menschen würden aber wieder in ihre häuser zurückkehren.

auch im sapir college in sderot, in das bereits mehrfach raketen einschlugen, geht der betrieb weiter. um einem starken absinken der zahl der studierenden entgegenzuwirken, werden die dortigen studienplätze besonders gefördert.

eine entschädigung vom staat beantragen kann in der region außerdem, wer belegen kann, wirtschaftliche nachteile durch den krieg gehabt zu haben. das klingt nett, ist allerdings bizarr. denn es ist ein irrealer bürokratischer akt, das zu belegen. tendentiell sind solche wirtschaftlichen nachteile selbstverständlich die regel und zwar selten konkret in einzelfällen, sondern als gesamtergebnis für alle.

das kibbuz ist an seiner außengrenze durch einen zaun gesichert. gaza-stadt liegt in sichtweite.

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im anschluß fuhr der bus endlich nach jerusalem.
es ist freitag-abend. shabbat.
jerusalem ist eine geisterstadt an diesem abend in der umgebung unseres hotels.

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alle geschäfte und lokale haben geschlossen. nur in einer seitenstraße der ben-yehuda-street hat ein straßencafe’ mit sichtbar säkularem, jugendlichen publikum geöffnet.

die stadt wirkt mindestens genauso baustellen-artig wie einige menschen wohl berlin empfinden dürften.
aktuell werden überall die straßen aufgerissen, um ein straßenbahnnetz einzuführen.

im hotelzimmer gibt es die essentials für ein puristisches frühstück bestehend aus kaffee und zigaretten.

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