bernd eichinger ist tot

zu bernd eichingers tod, der sicherlich tragisch ist, ein paar ausschnitte aus einem recht guten buch, das sich dabei zu dem von ihm geschriebenen film “der untergang” positioniert:

in einer weise, die höchst bemerkenswert ist, wenn man bedenkt, wann der film produziert wurde, wird in ihm dauernd – explizit oder implizit – moralisch geurteilt, was auch die zuschauer zu solchen urteilen nötigt. dies geschieht durch eine art affektive resonanz, ein gefühlsmäßiges mitschwingen, sei es durch gefühle der empörung oder der sympathie. die personen in ‘der untergang’ lassen sich grob in zwei gruppen aufteilen: in diejenigen, die bis zum ende glühende nationalsozialisten bleiben, und in diejenigen, die das leiden des deutschen volkes schließlich über den willen des ‘führers’ und die weltanschauung des nationalsozialismus stellen. zur ersten gruppe gehört hitler selbst, joseph und magda goebbels sowie heinrich himmler, zur anderen der ‘intellektuelle architekt’ albert speer und der ‘gute arzt’ professor ernst günther schenck. selbstverständlich erfahren wir in dem film nicht – und können dieses wissen bei den zuschauern auch nicht voraussetzen -, dass ss-obersturmbannführer schenck zwischen 1943 und 1944 in mauthausen grausame ernährungsversuche mit kz-häftlingen durchgeführt hat und gegen ihn deshalb später ein dienstverfahren eingeleitet wurde1. […]
wenn wir heute wissen wollen, ob nationalsozialistische treuevorstellungen weiterhin eine rolle spielen – etwa im film ‘der untergang’ – dann nicht aus rein historischem interesse für den wandel von begriffen. vielmehr hat dies mit der tatsache zu tun, dass verbrechen gemeinschaftlich kaum ohne rechtfertigung begangen werden können. eine veränderung der moral, die ausbildung einer partikularen moral, ist eine bedingung für die durchführung solcher verbrechen. insofern ist die moral teil der tat. die frage nach dem spezifischen begriff der treue betrifft diese form der beteiligung. das gilt umso mehr für die diskussion um die moralischen kategorien nach dem krieg. die frage, ob der treuebegriff [etwa der treue weniger filmheldInnen des deutschen volkes gegenüber, trotz emanzipation vom ‘des untergangs’ geweihten hitler-führerbunker, u.a. auch die imaginierten insgeheim solidarischen, aber angstvoll schweigenden deutschen im bräsigen film ‘sophie scholl’ (einfügung von dissi)] in ‘der untergang’ ein nationalsozialistischer ist, ist nicht einfach eine frage der historischen kontinuität. sondern es geht darum, inweitweit dieser begriff – wie unterschwellig auch immer – dazu beitragen kann, die ns-verbrechen selbst im nachhinein zu nivellieren, indem sie, in wiederholung einer der großen lügen der adenauerzeit, als die tat einer kleinen gruppe moralisch abnormer verbrecher dargestellt werden.
zitiert aus “anständig geblieben. nationalsozialistische moral” von raphael gross

rezension zu diesem buch auch in der jungle world.

über eichingers film “der untergang” wurde ohnehin viel geschrieben, etwa in diesem buch von dietrich kuhlbrodt.

und was mochte ich an eichingers filmen? “die unendliche geschichte” (regie: wolfgang petersen) hatte mir als damals siebenjähriger sehr gefallen (ich las danach als kleiner bastian balthazar eifrig das buch, in der hoffnung, zum atreju zu werden). viele hatten mich sehr enttäuscht (etwa die literaturverfilmungen von “elementarteilchen” und “letzte ausfahrt brooklyn”), viele überhaupt nicht interessiert (der überraschend antisemitismus-bereinigte “baader meinhof komplex“, die “werner”-filme, “die superbullen”, “manta manta”, die zwei bis drei filme mit sprechenden männlichen genitalien, der bushido-film, der auf das gleiche hinausläuft, und so ein scheiss), ganz gut fand ich den christiane f.-film (regie: uli edel), danach war natja brunckhorst mein schönheitsideal, eigentlich bis heute, wo ich dann aber irgendwann natalie portman gefunden habe. :)


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  1. vgl. ernst klee, das personenlexikon zum dritten reich. wer war was vor und nach 1945? frankfurt am main 2003, s. 530f. und elisabeth bauschmid, wiederholung geschieht. ernst klee erhält den geschwister scholl-preis, in: süddeutsche zeitung, 26.11.1997 []

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  • 30 Jan 2011, 18:57
    by Marti


    comment:

    Gute Recherche! Sag mal, was machst Du eigentlich beruflich?
    Gruß, Marti

    31 Jan 2011, 8:56
    by Unas


    comment:

    Hi Erst mal
    SChön mal wieder was von dir geschrieben zu sehen.
    “(der überraschend antisemitismus-bereinigte “baader meinhof komplex“, die “werner”-filme, “die superbullen”, “manta manta”, die zwei bis drei filme mit sprechenden männlichen genitalien, der bushido-film, der auf das gleiche hinausläuft, und so ein scheiss),”
    Na ja, Also so bereinigt fand ich den Bader Meinhof Komplex nicht. Er war viel zu vollgestopft mit Ereignissen. Aber das die RAF ziemlich völkisch gedacht hat, kommt in der Szene wo Meinhof die Zeitung ind er Talkrunde hochhält schon gut raus.
    Was meinst du mit sprechenden männlichen Genitalien? Meinst du damit das die Hauptfiguren etwas “simpler gestrickt” sind? Der Bushido Film soll echt dermaßen unterirdisch sein. Hast du ihn gesehen?

    31 Jan 2011, 14:21
    by dissi


    comment:

    das mit den genitalien ist eigentlich wörtlich gemeint: da gab es teenie-klamotten wie “harte jungs” und auch “ich & er” von doris dörrie (mit tatsächlich sprechenden genitalien).
    den bushido-film habe ich mir auch nicht in voller länge angetan. :)

    31 Jan 2011, 19:05
    by dissi


    comment:

    @ marti: also das zitierte buch habe ich nicht geschrieben und dass ich es gerade gelesen habe, ist rein zufällig, keine recherche.

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