vernagelt in der „volksbühne“

ausgerechnet an dem ort, wo pollesch oder schlingensief das kulturbeflissene publikum über jahre am einschlafen hinderten, fand ein konzert im sitzen statt.
natürlich konnte man den saal nicht kurzfristig umbauen, die stühle sind vernagelt im boden. aber die frage bleibt offen, weshalb denn dort. manchmal ist der „tag“ (das „schlagwort“) „kunst“ auch eine beleidigung. wieso können bands, die ein wenig visionärer sind, nicht auch als band behandelt werden?
esben and the witch“ habe ich zum zweiten mal live gesehen, beide male mit einem zwangssitz unterm hintern. darf diese wundervolle band jemals raus aus dem elitären kunstbegriff? natürlich machen die nich nur einfach „rock“ oder so, natürlich haben sie das subgenre „shoegaze“ auf ein level gehoben, das wesentlich anspruchsvoller ist als ein revival. aber schon der t-shirt-verkäufer in frankfurt/m. sagte, daß die band es hassen würde, vor sitzendem publikum zu spielen. es ist eine zoo-situation. dennoch ist es genau das, was ich nun zweimal erlebt habe und „esben and the witch“ war auch der hauptgrund für meinen besuch des 20€-konzerts.
romantisch fand ich auch die erste band des abends: „tu fawning„, denn deren konzert im märz in berlin war das erste date mit der frau, die ich bis heute wahnsinnig liebe. und band 3, nämlich deerhoof, war auch cool. alle 3 bands waren erschreckend perfektioniert. mit anderen worten: scheiss-location, aber großartiger sound. keine der drei bands schrammelte los, es war zweckmäßige präzision wie von band.
es folgen 3 ausschnitte:


tu fawning – neuer song


deerhoof – ?


esben and the witch – „chorea“ aus „violet cries


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  • vorfreude: esben and the witch

  • 12 Jul 2011, 23:13
    by ähm.


    comment:

    „…aber großartiger sound. keine der drei bands schrammelte los, es war zweckmäßige präzision wie von band.“

    naaa ja. diese unglaublich blöden rückkopplungen waren alles andere als großartig.
    und diese esben and the witch?
    alles eine frage des geschmacks, klar. aber irgendwie springen die schon ziemlich auf diese ganze düster-welle mit auf, ohne dabei relevante musik zu machen. von der „performance“ mal ganz zu schweigen. vielleicht hätte man der sängerin zeigen sollen, wie man richtig auf eine trommel einhämmert, ohne dass einem dabei die sticks in splittern um die ohren fliegen. wenn das allerdings absicht war – oh je.

    13 Jul 2011, 1:00
    by dissi


    comment:

    was denn für ne düster-welle? konkretisiere sie, ich reite darauf gerne mit. kenne im moment keine band, die dermaßen sinnige und epische songs schreibt. aber die düsterwelle: was meinste? zola jesus, austra oder watt?

    13 Jul 2011, 12:34
    by Unas


    comment:

    Freut mich, dass du ne Band, die du so magst, in relativ kurzer Zeit noch mal gesehen hast. Das mit den Sitzplätzen ist natürlich Scheise!
    Das Etikett Rock find ich eigentlich eher gut, unabhängig von der Musik. Das holt jede auch noch so anspruchsvolle Band auf den Teppich und macht klar, dass man auf der Bühne eben irgendwo auch was gutes abliefern muss ( wie auch immer das dann interpretiert wird). Ich wende mich damit vor allem gegen so was wie meine liebsten Negativbeispiele, Tool und Nine inch Nails. DIe Musik: Genial, aber auf der Bühne springt es einen förmlich bis zum Konzertabbruch oder Null Bocl Leistung an, „Wir machne keine Musik sondern Kunst“. Man vergisst dabei die simple Tatsache, dass man auf der Bühne (was auch immer) bieten muss.
    In diesem Sinne „its only rocknroll bit I like it“.
    Kunst funktioniert eher über den Kopf, mUsik über den Bauch. Deswegen passt das Rock Etikett auf vieles ( und ich meine jetzt echt nicht nur die typischen Vertreter) eigentlich ziemlich gut.
    Düster Welle? Espen and the W. sind sicherlich düster, aber unter Düsterwelle könnte ich mir jetzt nur vorstellen, dass der ganze Gruft Kam im Moment volle Kanne angesagt ist.

    13 Jul 2011, 18:49
    by ähm.


    comment:

    ich kann mich an einen bericht von arte tracks erinnern, da wurden sie in einem atemzug mit salem erwähnt, also diese ganze witch house ecke. da passen sie ja nun so gar nicht rein. da schon eher (und das meinte ich auch mehr) die zola jesus/austra-schiene. auch wenn man sich das gezappel der leute auf der bühne ansieht, könnte man meinen, die wollen da ein bisschen mitmischen.
    die musik ansich jedoch ist nicht so poppig/disko/elektro-mäßig wie bei austra und auch lange nicht so ausdrucksstark und kräftig wie die von beispielsweise zola jesus. das fehlt mir alles sehr bei dieser band, oder es hat mir zumindest bei diesem konzert gefehlt.

    13 Jul 2011, 18:52
    by dissi


    comment:

    @ unas:
    ähm, j.? nun mische mal nicht tool und nin in eine schublade. teilweise zur enttäuschung alter fans waren nin ja nach der straight edge-wiederauferstehung von herrn reznor mehr rock als jemals zuvor. also teilweise sehr stripped down, gerade in deutschland, wo die coolen projektionen und so vermutlich zu teuer waren.
    halte nin version 2.0 für arg rockish. teilweise ein wenig zu viel.
    tool habe ich scheitern sehen. die crazy holländer ließen die band am späten nachmittag auf der main stage auftreten. im sonnenschein wirkte die gewollte distanzierung zum publikum eher lächerlich und die tollen animationen auf der leinwand konnte man kaum erkennen.
    generell mag ich es schon lieber, wenn eine band ihr unikum-sein auch ein wenig zu inszenieren weiß. zur not einfach mit ganz viel nebel. und „esben and the witch“ z.b. ist schon so ne band, da ist eben keine reguläre rockshow. es wäre langweilig, wenn bands nur auf die bühne gehen und ihre instrumente benutzen. manchmal steckt da noch mehr sagenumwobenes dahinter.
    nur eben sie deshalb zur entrückten kunst zu erklären (wie anhand der von mir 2x erlebten umgebungsvariablen) ist auch unfair. e&tw wollen jedenfalls sicher nicht wie zebras im zoo angestarrt werden. dass sie gleichzeitig niemals eine unplugged session geben werden, finde ich aber auch cool.

    und die düsterwelle nochmal: ja, im moment gibt es ziemlich viele populäre indie-akteure (plus/minus elektro und/oder shoegaze), die man als ein wenig düster einschätzen könnte. 2011 ist nicht gerade das morrissey- oder stephen malkmus-jahr. eher das siouxie-jahr. ich find’s gut so. endlich kriege ich mal ein revival mit, das ich voll und ganz unterstütze (shoegaze oder so).

    13 Jul 2011, 19:02
    by dissi


    comment:

    @ ähm.
    „die musik ansich jedoch ist nicht so poppig/disko/elektro-mäßig wie bei austra und auch lange nicht so ausdrucksstark und kräftig wie die von beispielsweise zola jesus.“

    finde es schön, daß du zola jesus magst. aber diese gleichmacherei ist ja eh hinfällig. bei zola jesus sehe ich unfassbar knackige songs, meistens so 3 1/2 minuten. süchtigmachend, relativ minimalistisch.
    bei e&tw aber sehe ich nicht nur 5-6 minuten-songs, es ist ein vollkommen anderer ansatz. als ich das album zum ersten mal hörte, spürte ich für mich subjektiv sofort, daß mir das sehr viel gibt und ich noch öfters nachhören werde. und so ist es gekommen. was ich so liebe, ist der mut zum pathos, gleichzeitig die glaubwürdigkeit desselben und eben auch die ausufernde soundsituation. ich finde es ungewöhnlich und für mich persönlich (musst du ja nicht so sehen) überraschend eingängig, wie da ein beeindruckendes brimborium abgefeiert wird. und ich habe auf beiden konzerten kurz geheult, weil es mich wirklich gerührt hat. finde es bizarr, daß sich einerseits menschen spontan abwenden von dieser musik, ich aber hingegen „hits! hits! hits!“ denken muss, wenn ich bestimmte songs höre.
    aber klar, auf das „zola jesus“-konzert im september gehe ich auch. 🙂

    14 Jul 2011, 12:08
    by ähm.


    comment:

    ist ja auch einfach alles eine sache des geschmacks, wie gesagt.
    die situation war aber auch eine sehr anstrengende. ich meine.. nach deerhoof zu spielen, da ist fast jede band am arsch.

    17 Jul 2011, 16:37
    by Unas


    comment:

    Also das mit Tool hast du schön formuliert „gewollte Distanzierung“. Ziemlich genau das hatte ich gemeint. NIN werde ich trotzdem nicht rausnehmen und ich meinte damit nciht die Musik, dass das jetzt rockiger ist/wird kann ja sein. ICh Beziehe mich auf den Konzertabbruch in Frankfurt wo eine Deppen bei „hurt“ blöd rumgebrüllt haben. Sorry, aber desegen xhundert oder mehr Leute im Regen stehen zu lassen, welche diese Band kultig verehren, ist ein klarer Fall von sich viel zu wichtig zu nehmen.
    Ich hab auch nichts gegen Show Elemente, die sind bei einigen meiner Lieblignsband im Überfluß vorhanden. Es geht mir nur darum dass man sich auf der Bühne nicht zu ernst nimmt und das kann ja sehr verschiedene Gesichter haben.
    Ob sich Epen and the witch zur Kunst erklären weiss ich gar nicht und hab dazu auch gar nichts gesagt, habe sie ja auch nie live gesehen, wie soll ich das also beurteilen. Ging mir nur um Begrifflichkeiten/ bzw. um ne sehr allgemeine Diskussion.
    Das mit dem Sagenumwoben haben sicher einige Bands so ansichh. SO was entsteht immer zwischen der Performance an den Instrumenten ( auch Stimme) dem Kontakt mit dem Publikum und den Hormonen, welche das publikum dabei ausschüttet. Auf Bald!

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