{"id":22,"date":"2008-10-06T22:20:10","date_gmt":"2008-10-06T20:20:10","guid":{"rendered":"http:\/\/127.0.0.1\/diss4\/?p=23"},"modified":"2008-10-06T22:20:10","modified_gmt":"2008-10-06T20:20:10","slug":"die-definitionsmacht-ist-unjudisch","status":"publish","type":"post","link":"http:\/\/kotzboy.com\/?p=22","title":{"rendered":"die definitionsmacht ist unj\u00fcdisch"},"content":{"rendered":"<p>der <a href=\"http:\/\/www.mehringhof.de\/\" target=\"_blank\" rel=\"noopener\">mehringhof<\/a> in kreuzberg. ein idyll linker selbstverwirklichung. eine seit jahrzehnten traditionsreiche adresse. bis ca. 2000 waren die dortigen r\u00e4umlichkeiten der &#8222;<a href=\"http:\/\/www.sfeberlin.de\/\" target=\"_blank\" rel=\"noopener\">schule f\u00fcr erwachsene<\/a>&#8220; (sfe) auch das zuhause der <a href=\"http:\/\/www.redaktion-bahamas.org\" target=\"_blank\" rel=\"noopener\">redaktion bahamas<\/a>, bis ihr hochoffiziell vom linken kollektiv hausverbot erteilt wurde.<br \/>\nhintergrund d\u00fcrften damals neben dem allgemein abweichend &#8222;<em>antideutschen<\/em>&#8220; kurs der zeitschrift vor allem die aufgehitzten debatten um &#8222;<em>definitionsrecht<\/em>&#8222;, &#8222;<em>vergewaltigungsbegriff<\/em>&#8220; und den linkskollektivistischen umgang mit dem unerw\u00fcnschten, kritischen aufruf zur selbstreflektion gewesen sein. ((siehe dazu den skandalisierten <a href=\"http:\/\/www.redaktion-bahamas.org\/auswahl\/web32-4.htm\" target=\"_blank\" rel=\"noopener\">bahamas-artikel &#8222;infantile inquisition&#8220;<\/a>, das <a href=\"http:\/\/www.lesmadeleines.net\/borderline.htm\" target=\"_blank\" rel=\"noopener\">flugblatt der gruppe &#8222;les madeleines&#8220;<\/a> und den <a href=\"http:\/\/www.nadir.org\/nadir\/initiativ\/daneben\/archiv\/geschlechterverhaeltnisse\/vergewaltigung\/bahamas\/12.html\" target=\"_blank\" rel=\"noopener\">erfahrungsbericht von einer bahamas-veranstaltung im mehringhof<\/a>))<\/p>\n<p>laut ihrer selbstdarstellung treffen auf der sfe jedenfalls auch heute &#8222;<em>sexismus, rassismus, antisemitismus und homophobie auf widerstand<\/em>&#8222;, was ein ohne frage ehrenswertes ziel ist. noch dazu bietet sie als institution ein nahezu einzigartiges angebot an, ein selbstbestimmtes (selbstverwaltetes) vorbereiten auf die &#8222;allgemeine hochschulreife&#8220; bzw. die &#8222;mittlere reife&#8220;. der notenfreie unterricht orientiert sich an den rahmenlehrpl\u00e4nen, die staatlichen abschlu\u00dfpr\u00fcfungen finden extern statt.<br \/>\ndie schule finanziert sich \u00fcber das monatliche &#8222;schulgeld&#8220;, da\u00df die sch\u00fclerInnen selbst entrichten m\u00fcssen.<br \/>\nsch\u00fclerInnen und lehrerInnen gelten an der schule als gleichberechtigt. auch das ist sinnvoll, weil dadurch eine der hauptfunktionen gew\u00f6hnlicher schulen unterbunden wird, der assimilierungserfolg durch zwangsl\u00e4ufige unterordnung. da\u00df dieser wesenszug von &#8222;schule&#8220; in der sfe \u00fcberwunden werden kann, ist allerdings nat\u00fcrlich auch nur eine tempor\u00e4re illusion, denn sp\u00e4testens zum zentralen abitur wird die kompatibilit\u00e4t mit dem standardisierten anforderungskatalog abgeglichen.<\/p>\n<p>da\u00df es eine irritierende erfahrung sein kann, auch in der praxis lehrer und sch\u00fcler auf augenh\u00f6he zu beobachten, wird unter umst\u00e4nden bei den vierzehnt\u00e4gig stattfindenden &#8222;vollversammlungen&#8220; gewahr.<br \/>\ndann n\u00e4mlich, wenn pers\u00f6nliche emotionalit\u00e4t, jahrzehnte gereifte politische ideologie, argumentative unzurechnungsf\u00e4higkeit und fehlende empathie aus den m\u00fcndern der lehrerInnen auch b\u00f6sartig als berufliche unprofessionalit\u00e4t ausgelegt werden k\u00f6nnten.<\/p>\n<p>zu diskutieren gibt es bei diesen &#8222;<em>vollversammlungen<\/em>&#8220; genug. \u00fcber putzpl\u00e4ne und finanzprobleme, aber auch semi-gruppentherapeutisch \u00fcber konflikte in der \u00fcbersichtlichen gruppe aus sch\u00fclern und lehrern, allerdings ohne therapeut. plenum eben.<br \/>\neitelkeiten, geh\u00e4ssigkeiten und pers\u00f6nliche animosit\u00e4ten finden nicht verdruckst im lehrerzimmer statt, sondern werden thema in der gro\u00dfgruppe. da\u00df das nicht zwangsl\u00e4ufig zur kl\u00e4rung und befriedung f\u00fchrt, sondern unter umst\u00e4nden im gegenteil kontrahenten ein zustimmungserhaschendes pl\u00e4doyer f\u00fcr ihren jeweiligen standpunkt abhalten, ist vorhersehbar.<br \/>\ngrunds\u00e4tzlich subjektiv und sensibel sind jedoch themen zu behandeln, die beispielsweise von mobbingvorw\u00fcrfen handeln. insbesondere jene, die die betonten bereiche sexismus, rassismus, antisemitismus und homophobie tangieren.<br \/>\nin einem auf solche f\u00e4lle spezialisierten flugblatt, werden insbesondere sch\u00fclerInnen darauf aufmerksam gemacht, da\u00df sie in solchen f\u00e4llen mehr als nur berechtigt sind, von der nestw\u00e4rme der gemeinschaft zu profitieren:<\/p>\n<blockquote><p>\n&#8222;<em>Du <strong>mu\u00dft<\/strong> angeh\u00f6rt werden (wenn Du dies forderst), ohne da\u00df Deine Wahrnehmung des jeweiligen Vorfalls in Frage gestellt werden darf und ohne Zwang zur Rechtfertigung.<\/p>\n<p>Derartige Vorf\u00e4lle d\u00fcrfen nicht als privates, pers\u00f6nliches &#8222;Problem&#8220; degradiert werden (z.B. die Unterstellung, Du w\u00fcrdest Deine eigenen Probleme auf Andere projizieren.)<\/p>\n<p>[&#8230;]<\/p>\n<p>Beschl\u00fcsse, die Auflagen\/Forderungen an die Angreifer beinhalten, m\u00fcssen umgesetzt werden. Hierf\u00fcr sind alle Sch\u00fclerInnen, LehrerInnen und Angestellte verantwortlich, jedoch m\u00fcssen zus\u00e4tzlich einzelne Personen bestimmt werden, die daf\u00fcr Sorge zu tragen haben, da\u00df diese Beschl\u00fcsse umgesetzt werden.<\/em>&#8220;  ((hervorhebung wie im orginal))<\/p><\/blockquote>\n<p>skandal\u00f6s und wenig aussichtsreich f\u00fcr die oder den mutma\u00dflichen t\u00e4ter oder &#8222;<em>angreifer<\/em>&#8220; w\u00e4ren sicher beispielsweise vorf\u00e4lle verhandelt worden, die durch den vorwurf des sexismus bzw. sexistischen \u00fcbergriffs mittels des definitionsrechts des opfers von anfang an entsprechend konnontiert gewesen w\u00e4ren.<\/p>\n<p>in einem konkreten fall wendete sich jedoch eine langj\u00e4hrige englischlehrerin mit einer schriftlichen stellungnahme an die allgemeine runde, mit der sie verst\u00e4ndlich machen wollte, weshalb sie sich von einer kollegin auf eine weise diffamiert f\u00fchlt, die sie nicht nur als &#8222;<em>allgemein hetzerisch sondern auch als latent antisemitisch empfinde, denn gewisse Begriffe und Bilder, die sie verwendet bzw. aufruft, greifen uralte judenfeindliche und antisemitische Vorurteile auf<\/em>&#8222;. ((aus dem &#8222;offenen brief&#8220; der lehrerin, vom 29.5.08))<\/p>\n<p>dieser brief an die allgemeinheit der linken zwecksgemeinschaft stie\u00df zun\u00e4chst auf allgemeines schulterzucken, sp\u00e4ter aber vor allen dingen auf die massive abwehr durch die beschuldigte kollegin, die von nun an samt verbaler sch\u00fctzenhilfe aus dem lehrerkollegium und vereinzelten sch\u00fclerInnen tr\u00e4nenreich als opfer einer &#8222;<em>politischen ausl\u00f6schung<\/em>&#8220; (in einer schriftlichen gegen-stellungnahme wird von &#8222;<em>verleumdung<\/em>&#8220; und &#8222;<em>rufmord<\/em>&#8220; gesprochen) im mittelpunkt der allgemeinen anteilnahme stand. die bekannte inszenierung des sterbenden, von der &#8222;<em>antisemitismuskeule<\/em>&#8220; getroffenen schwans.<\/p>\n<p>woher die wahrnehmung der j\u00fcdischen lehrerin herr\u00fchrte, stand allerdings nie auf der tagesordnung. wovon ihre sensibilit\u00e4t f\u00fcr worte wie &#8222;unterdr\u00fcckung&#8220; oder &#8222;ausbeutung&#8220; und den vorw\u00fcrfen ihr gegen\u00fcber von angeblicher &#8222;profitgier&#8220; und &#8222;immobilienbesitz&#8220; r\u00fchrte, ob von ihrem dezidierten wissen \u00fcber antisemitische denkmuster, das sie auch in ihrer stellungnahme mit querverweisen zu u.a. werner bergmann ((professor f\u00fcr antisemitismusforschung, technische universit\u00e4t berlin, autor von u.a. &#8222;<a href=\"http:\/\/www.amazon.de\/gp\/search?ie=UTF8&#038;keywords=bergmann%20geschichte%20des%20antisemitismus&#038;tag=dissidenz-21&#038;index=books&#038;linkCode=ur2&#038;camp=1638&#038;creative=6742\" target=\"_blank\" rel=\"noopener\">geschichte des antisemitismus<\/a>&#8222;)) und wolfgang kraushaar ((politikwissenschaftler am hamburger institut f\u00fcr sozialforschung, autor von u.a. &#8222;<a href=\"http:\/\/www.amazon.de\/gp\/search?ie=UTF8&#038;keywords=wolfgang%20kraushaar%20die%20bombe%20im&#038;tag=dissidenz-21&#038;index=books&#038;linkCode=ur2&#038;camp=1638&#038;creative=6742\" target=\"_blank\" rel=\"noopener\">die bombe im j\u00fcdischen gemeindehaus<\/a>&#8222;)) versuchte, weiterzugeben, oder ob sie vielleicht von einer traditionell antizionistischen haltung unter den politisch motivierten kollegen wu\u00dfte, bei denen bestimmte worte erst recht dazu neigen, etwas bestimmtes auszudr\u00fccken &#8211; diese frage blieb unklar und wurde nicht besprochen.<\/p>\n<p>angeraten wurde ihr jedenfalls, &#8222;<em>dass du deine vorw\u00fcrfe \u00f6ffentlich zur\u00fccknimmst<\/em>&#8222;. ((aus einer schriftlichen meinungsumsage eines dort besch\u00e4ftigten geschichtslehrers))<br \/>\nihre wahrnehmung wurde nicht nur als fehlerhaft abqualifiziert, ihre \u00f6ffentliche intervention wurde als &#8222;<em>vertrauensbruch<\/em>&#8220; und als aggressiv unruhestiftender akt gegen den burgfrieden des linken mehrheitskollektivs interpretiert.<\/p>\n<p>einen &#8222;<em>beschlu\u00df<\/em>&#8222;, wie letztlich mit dem konflikt umzugehen sei, hatte die &#8222;<em>vollversammlung<\/em>&#8220; offiziell nicht verabschiedet. f\u00fcr die anwesende mehrheit war das abschlie\u00dfende urteil jedoch eindeutig.<br \/>\ndie gemobbte englischlehrerin vollstreckte es nach den sommerferien. sie hat ihre stelle an der sfe aufgegeben.<br \/>\ndas thema antisemitismus ist somit erledigt. es verbleiben somit auch keine mutma\u00dflichen &#8222;<em>immobilienbesitzerInnen<\/em>&#8220; an der sfe.<\/p>\n<p><img loading=\"lazy\" decoding=\"async\" src=\"http:\/\/kotzboy.com\/wp-content\/uploads\/2008\/10\/sfejuwo2.jpg\" alt=\"\" title=\"sfejuwo2\" width=\"195\" height=\"374\" class=\"alignnone size-full wp-image-783\" \/> <small>nachfolgerIn gesucht! 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